Volumen-Profil: Handeln, wo wirklich gehandelt wurde
Nicht wann gehandelt wurde, sondern auf welchem Preis – das Volumen-Profil zeigt, wo der Markt sein Gleichgewicht fand.
8 Min. Lesezeit
Ein normaler Chart zeigt Volumen pro Zeiteinheit – wie viel zu welcher Uhrzeit gehandelt wurde. Das Volumen-Profil dreht die Perspektive um 90 Grad: Es zeigt, auf welchen Preisen das meiste Volumen lag. Damit beantwortet es eine Frage, die für institutionelle Käufer zentral ist: Wo hat der Markt akzeptierten, fairen Wert gefunden – und wo lehnte er ihn ab?
Wer diese Bereiche liest, sieht den Chart anders: Preiszonen mit viel Volumen wirken wie Magnete und Bremsen, Zonen mit wenig Volumen wie Rutschbahnen, durch die der Kurs schnell durchläuft. Genau diese Eigenschaften lassen sich für Einstiege, Stops und Ziele nutzen.
Die drei Bausteine: POC, Value Area, Nodes
Das Volumen-Profil sieht zunächst überladen aus, besteht aber nur aus wenigen Kernbegriffen, die du kennen musst.
- Point of Control (POC): der Preis mit dem höchsten Volumen – der am stärksten umkämpfte „faire“ Preis.
- Value Area (VA): die Zone, in der typischerweise rund 70 % des Volumens stattfanden – der akzeptierte Wertbereich.
- High Volume Node (HVN): eine Preiszone mit viel Volumen – wirkt als Unterstützung/Widerstand, bremst Bewegungen.
- Low Volume Node (LVN): eine Preiszone mit wenig Volumen – Kurse laufen hier schnell durch, gute Bruchstellen.
Wie du daraus Trades ableitest
Der praktische Nutzen entsteht aus dem Zusammenspiel: Innerhalb der Value Area pendelt der Kurs oft zwischen ihren Rändern (VAH oben, VAL unten) – ein klassisches Mean-Reversion-Umfeld. Verlässt der Kurs die Value Area mit Volumen, signalisiert das eine Ausweitung, die du eher trendfolgend handelst.
Low Volume Nodes sind besonders nützlich: Weil dort kaum gehandelt wurde, gibt es wenig Widerstand. Bricht der Kurs in einen LVN, läuft er häufig zügig bis zum nächsten High Volume Node. Das liefert ein logisches Ziel – und einen Stop, der hinter den durchbrochenen Node gehört.
Welches Profil für welche Frage?
Ein Tagesprofil hilft beim Intraday-Handel (wo liegt heute der faire Wert?). Ein Profil über mehrere Wochen oder die gesamte Range zeigt die großen, dauerhaften Magnetzonen. Viele Trader kombinieren beides: das langfristige Profil für den Kontext, das Tagesprofil für die Ausführung.
Typische Fehler
- ✕Jede Linie im Profil handeln wollen. Konzentriere dich auf POC, VA-Ränder und klare Nodes.
- ✕LVN und HVN verwechseln – und dann auf Durchlauf setzen, wo eigentlich eine Bremszone ist.
- ✕Das Profil isoliert betrachten, ohne Trend und Marktzustand zu berücksichtigen.
- ✕Den falschen Zeitraum wählen: ein Tagesprofil beantwortet keine Wochenfrage.
Mit FlowTrader umsetzen
Das Volumen-Profil liefert objektive Marken – ideal, um deine Trades hinterher ehrlich zu bewerten. In FlowTrader notierst du, an welcher Profil-Zone (POC, VAH/VAL, Node) du ein- und ausgestiegen bist. So erkennst du mit der Zeit, welche Zonen für dein Instrument tatsächlich tragen – und hörst auf, Marken zu handeln, die nur theoretisch wichtig aussehen.
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