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Positionsgröße berechnen: aus Risiko und Stop-Abstand die richtige Stückzahl ableiten

Nicht raten, wie viel du kaufst, sondern es aus deinem Risiko ableiten – die ruhige Variante.

7 Min. Lesezeit

Kontorisiko (€)÷Stop-Abstand=PositionsgrößeRisiko bleibt konstant, die Größe passt sich an

Viele Einsteiger überlegen sich zuerst, wie viele Kontrakte oder Aktien sie kaufen, und schauen erst danach, wo der Stop sitzt. Die Reihenfolge gehört umgedreht. Die Positionsgröße ist kein Bauchgefühl, sondern das Ergebnis einer kleinen Rechnung: Du legst zuerst fest, wie viel Geld du in diesem einen Trade höchstens verlieren willst, und leitest daraus ab, wie groß die Position überhaupt sein darf. So bleibt dein Risiko gleich, egal ob der Stop eng oder weit entfernt liegt.

In diesem Guide gehen wir Schritt für Schritt durch die Rechnung: Kontorisiko (ein fester Prozentsatz deines Kapitals) mal Kapital ergibt deinen Risikobetrag in Euro. Diesen Betrag teilst du durch den Stop-Abstand, und schon steht deine Stückzahl. Wir schauen uns an, warum eine immer gleiche feste Größe trügerisch ist und wie das Ganze mit dem Money-Management zusammenhängt. Es geht nicht um eine Strategie, sondern um das Verständnis, das hinter jeder vernünftigen Positionsgröße steckt.

Die Rechnung – Schritt für Schritt

Der Kern besteht aus drei Werten: deinem Kapital, deinem Kontorisiko und dem Stop-Abstand. Das Kontorisiko ist der Prozentsatz deines Kapitals, den du in einem einzelnen Trade höchstens aufs Spiel setzen willst. Viele Trader wählen dafür einen kleinen Wert wie 1 Prozent – nicht, weil das eine Garantie ist, sondern weil eine einzelne Fehleinschätzung dann nur einen kleinen Teil des Kontos kostet.

Der Stop-Abstand ist die Distanz zwischen deinem Einstieg und deinem Stop-Loss – also der Marke, an der du den Trade beendest, wenn er gegen dich läuft. Diesen Abstand bestimmst du anhand des Charts, nicht anhand der gewünschten Stückzahl. Erst wenn beide Werte feststehen, rechnest du die Position aus.

  • Schritt 1 – Risikobetrag in Euro: Kapital mal Prozentsatz. Beispiel: 10.000 Euro Kapital mal 1 Prozent ergibt 100 Euro, die du in diesem Trade riskieren willst.
  • Schritt 2 – Stop-Abstand bestimmen: Wie weit ist dein Stop vom Einstieg entfernt? Beispiel: Du kaufst eine Aktie bei 50 Euro und setzt den Stop auf 48 Euro – das sind 2 Euro Abstand pro Aktie.
  • Schritt 3 – Stückzahl ableiten: Risikobetrag geteilt durch Stop-Abstand. 100 Euro geteilt durch 2 Euro ergibt 50 Aktien.
  • Gegenprobe: 50 Aktien mal 2 Euro Verlust pro Aktie sind genau 100 Euro – dein geplantes Risiko. Die Rechnung geht auf.

Warum eine feste Stückzahl trügt

Angenommen, du handelst immer 50 Aktien, egal wie der Chart aussieht. Beim einen Trade liegt dein Stop 2 Euro entfernt, beim nächsten 6 Euro. Mit derselben festen Stückzahl riskierst du im ersten Fall 100 Euro, im zweiten aber 300 Euro – ohne es bewusst zu entscheiden. Dein Risiko schwankt also wild, obwohl die Position gleich aussieht.

Genau hier liegt die Gefahr: Eine feste Größe koppelt dein Risiko an den Zufall des Stop-Abstands. Bei weiten Stops riskierst du heimlich viel mehr, als dir lieb ist; bei engen Stops viel weniger. Die Rechnung über das Kontorisiko dreht das um. Sie passt die Stückzahl so an, dass der riskierte Euro-Betrag immer gleich bleibt – mal sind es mehr Stücke, mal weniger. Das ist der Unterschied zwischen einer gleichbleibenden Position und einem gleichbleibenden Risiko.

Damit sind wir beim Money-Management, dem übergeordneten Rahmen. Money-Management bedeutet, dass du dein Kapital über viele Trades hinweg schützt, statt einzelne Gewinne zu maximieren. Die Positionsgröße ist das Werkzeug, mit dem du diese Regel im einzelnen Trade umsetzt. Ein durchdachtes Money-Management ohne saubere Positionsgröße gibt es nicht – beide gehören zusammen.

Typische Missverständnisse

  • Zuerst die Stückzahl festlegen und den Stop daran anpassen – richtig wäre die umgekehrte Reihenfolge: Stop aus dem Chart, Stückzahl aus dem Risiko.
  • Immer dieselbe feste Größe handeln und dabei übersehen, dass ein weiter Stop das tatsächliche Risiko stillschweigend vervielfacht.
  • Bei Hebelprodukten, Futures oder CFDs den Stop-Abstand nur in Kurspunkten denken und vergessen, ihn über den Punktwert in echte Euro umzurechnen.
  • Den Risikoprozentsatz so hoch ansetzen, dass schon wenige Verlust-Trades hintereinander einen großen Teil des Kontos auslöschen.

Mit FlowTrader anwenden

In FlowTrader hältst du pro Trade fest, wie groß deine Position war, wo dein Stop lag und welchen Prozentsatz deines Kapitals du tatsächlich riskiert hast. Ein Rechner kann dir die Stückzahl in Sekunden ausgeben, aber erst dein Journal zeigt dir über die Zeit, ob du deine eigene Risikoregel auch wirklich einhältst – oder ob du bei manchen Trades heimlich größer wirst. Nach ein paar Wochen siehst du schwarz auf weiß, wie konstant dein Risiko pro Trade ist. Das Verständnis dahinter nimmt dir kein Tool ab; es macht nur sichtbar, was du selbst entschieden hast.

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Häufige Fragen

Welchen Prozentsatz sollte ich für das Kontorisiko wählen?+
Das ist eine persönliche Entscheidung und keine feste Vorgabe. Viele Einsteiger orientieren sich an einem kleinen Wert wie 1 Prozent, weil dann auch eine Serie von Verlusten das Konto nicht ernsthaft beschädigt. Entscheidend ist weniger die genaue Zahl als die Disziplin, bei jedem Trade denselben Maßstab anzulegen.
Was mache ich, wenn die berechnete Stückzahl keine ganze Zahl ist?+
Dann rundest du nach unten ab, nicht auf. Abrunden hält dein Risiko unter deiner Grenze. Bei Produkten mit festen Mindestgrößen, etwa Futures-Kontrakten, kann es vorkommen, dass schon ein einziger Kontrakt mehr riskiert als geplant – dann ist der Stop für dein Konto zu weit oder die Position schlicht zu groß für dieses Setup.
Gilt die Rechnung auch für Futures und CFDs mit Hebel?+
Ja, das Prinzip bleibt gleich. Du musst nur den Stop-Abstand korrekt in Euro umrechnen, indem du die Kurspunkte mit dem Punktwert des Instruments multiplizierst. Erst dieser Euro-Betrag pro Stück geht in die Formel ein. Der Hebel ändert nichts an der Logik, er macht eine saubere Rechnung nur noch wichtiger.
Reicht es nicht, einfach einen Positionsgrößen-Rechner zu benutzen?+
Ein Rechner ist praktisch und vermeidet Tippfehler. Trotzdem solltest du verstehen, was er tut, denn nur dann erkennst du, wenn ein Ergebnis nicht zu deinem Plan passt – etwa weil dein Stop zu weit weg liegt. Das Werkzeug nimmt dir das Rechnen ab, nicht das Urteil.

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