Chartarten und Kerzencharts verstehen
Bevor du Muster suchst, lohnt es sich zu verstehen, was eine einzelne Kerze überhaupt zeigt.
7 Min. Lesezeit
Ein Chart ist nichts anderes als die Preisgeschichte eines Marktes, in ein Bild übersetzt. Wie diese Geschichte erzählt wird, hängt von der Chartart ab. Ein Linienchart fasst sich kurz, ein Balken- oder Kerzenchart erzählt deutlich ausführlicher. Wer die Unterschiede kennt, liest denselben Markt plötzlich genauer und versteht, warum erfahrene Trader fast immer den Kerzenchart wählen.
Dieser Guide erklärt die drei gängigen Chartarten und nimmt anschließend die Kerze auseinander: Woraus sie besteht, welche vier Preise sie zeigt und was ihre Form über das Kräfteverhältnis von Käufern und Verkäufern andeutet. Es geht hier ausdrücklich um Grundlagenwissen, nicht um eine Handelsstrategie. Du sollst am Ende eine Kerze ruhig anschauen und sie lesen können.
Die drei Chartarten im Vergleich
Jede Chartart zeigt denselben Preisverlauf, aber mit unterschiedlich viel Detail. Der Unterschied liegt darin, wie viele Informationen pro Zeitabschnitt sichtbar gemacht werden. Ein Zeitabschnitt ist dabei das, was du oben im Chart als Zeiteinheit einstellst, zum Beispiel eine Stunde oder ein Tag. Bei einer Tageseinheit steht jeder Punkt, Balken oder jede Kerze für genau einen Handelstag.
Der Linienchart ist die einfachste Variante. Er verbindet nur die Schlusskurse der einzelnen Abschnitte zu einer durchgehenden Linie. Der Schlusskurs ist der Preis, zu dem ein Abschnitt endet. Das ergibt ein sehr aufgeräumtes Bild, das die grobe Richtung gut zeigt, aber alles verschweigt, was innerhalb des Abschnitts passiert ist.
Der Balkenchart zeigt pro Abschnitt mehr: einen senkrechten Strich für die gesamte Preisspanne, einen kleinen Strich links für die Eröffnung und einen rechts für den Schluss. Damit siehst du vier Preise auf einen Blick. Der Kerzenchart zeigt exakt dieselben vier Preise, stellt sie aber als Körper mit dünnen Linien dar. Genau diese Form macht ihn auf einen Blick lesbarer, weshalb er der Standard für die meisten Trader ist.
- Linienchart: nur Schlusskurse als Linie, sehr ruhig, gut für die grobe Richtung, aber wenig Detail.
- Balkenchart: zeigt Eröffnung, Hoch, Tief und Schluss als Striche, viel Information, aber etwas schwerer ablesbar.
- Kerzenchart: dieselben vier Preise wie der Balkenchart, durch Körper und Farbe aber deutlich schneller erfassbar.
Der Aufbau einer Kerze
Eine einzelne Kerze fasst vier Preise eines Zeitabschnitts zusammen: Eröffnung, Hoch, Tief und Schluss. Die Eröffnung ist der erste Preis des Abschnitts, der Schluss der letzte. Das Hoch ist der höchste, das Tief der niedrigste Preis, der in diesem Zeitfenster erreicht wurde. Aus diesen vier Werten entsteht die Form der Kerze.
Der breite Teil heißt Körper. Er liegt zwischen Eröffnung und Schluss und zeigt damit, wie weit sich der Preis von Anfang bis Ende des Abschnitts bewegt hat. Die dünnen Linien ober- und unterhalb des Körpers heißen Docht (oben) und Lunte (unten), zusammen oft Schatten genannt. Sie reichen bis zum Hoch und zum Tief und zeigen, wie weit der Preis zwischendurch ausgeschlagen ist, bevor er wieder zurückkam.
Die Farbe verrät die Richtung des Abschnitts. Schließt der Preis höher als er eröffnet hat, ist die Kerze meist grün oder hell und wird steigend genannt. Schließt er tiefer, ist sie meist rot oder dunkel und gilt als fallend. Die Farben sind reine Darstellung und lassen sich in jeder Software umstellen, die Logik dahinter bleibt aber immer gleich: Körper zeigt die Strecke von Eröffnung zu Schluss, Schatten zeigen die Extreme.
Was eine Kerze über Käufer und Verkäufer verrät
Eine Kerze ist letztlich das sichtbare Ergebnis eines Tauziehens. Käufer drücken den Preis nach oben, Verkäufer nach unten. Wo der Abschnitt schließt, zeigt, welche Seite am Ende die Oberhand hatte. Schließt die Kerze nahe ihrem Hoch, lag die Kraft eher bei den Käufern. Schließt sie nahe ihrem Tief, eher bei den Verkäufern. Das ist kein Signal und keine Vorhersage, sondern schlicht eine Beschreibung dessen, was bereits geschehen ist.
Auch die Proportionen erzählen etwas. Ein langer Körper bedeutet, dass eine Seite den Abschnitt klar dominiert hat und der Preis von Eröffnung bis Schluss eine deutliche Strecke gegangen ist. Ein sehr kurzer Körper deutet eher auf ein Gleichgewicht hin, bei dem keine Seite richtig durchkam. Lange Schatten zeigen, dass der Preis weit in eine Richtung lief, dort aber zurückgewiesen wurde, bevor der Abschnitt endete.
Wichtig bleibt: Eine einzelne Kerze ist immer nur ein Mosaikstein. Sie beschreibt einen einzigen Zeitabschnitt und sagt für sich genommen wenig über das, was als Nächstes kommt. Ihre Aussagekraft entsteht erst im Zusammenhang mit den Kerzen davor und der Lage im Gesamtbild. Der erste Schritt ist aber immer, eine Kerze überhaupt sauber lesen zu können.
Typische Missverständnisse
- ✕Den Kerzenchart sofort als Vorhersage zu lesen, obwohl er nur beschreibt, was bereits passiert ist.
- ✕Den Linienchart für ungenau zu halten, dabei zeigt er die grobe Richtung oft ruhiger als ein überladener Kerzenchart.
- ✕Die Schatten zu übersehen und nur auf den Körper zu schauen, obwohl Docht und Lunte zeigen, wo der Preis abgewiesen wurde.
- ✕Aus einer einzelnen Kerze zu viel herauslesen zu wollen, statt sie im Zusammenhang mit den umliegenden Kerzen zu betrachten.
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Wer Kerzen lesen lernt, profitiert am meisten davon, eigene Beobachtungen festzuhalten. In FlowTrader kannst du zu jedem Trade notieren, in welcher Marktlage du eingestiegen bist und wie das Bild im Chart ausgesehen hat. Nach einigen Wochen entsteht so eine eigene Sammlung, in der du nachschlagen kannst, welche Situationen dir noch unklar waren. So wird aus reinem Lesen über Kerzen ein eigenes, geordnetes Verständnis, das auf deinen tatsächlichen Beobachtungen beruht und nicht auf fremden Behauptungen.
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