Aktien einfach erklärt: Was dir gehört und was übrig bleibt
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Eine Aktie kaufen geht heute mit zwei Klicks. Aber was gehört dir dann eigentlich, und wie viel bleibt am Ende übrig? Diese Folge erklärt es an einer erfundenen Bäckerei namens Morgenkorn.
Das Wichtigste in Kürze
- ✓Eine Aktie ist ein Stück einer Firma.
- ✓Du kaufst zum Briefkurs und verkaufst zum Geldkurs.
- ✓Dein Ergebnis ist Kursbewegung mal Stück, minus Kosten.
- ✓Fest ist es erst, wenn du verkaufst.
Was eine Aktie ist
Das Brot der Bäckerei Morgenkorn ist so beliebt, dass sie einen zweiten Ofen braucht. So viel Geld hat sie nicht. Also teilt sie sich in 10.000 gleiche Stücke und bietet sie zum Kauf an. Wer ein Stück kauft, gibt der Bäckerei Geld, das sie nicht zurückzahlen muss. Dafür gehört ihm ein Stück der Firma.
So ein Stück heißt Aktie. Eine Firma, die in Aktien geteilt ist, heißt Aktiengesellschaft, kurz AG. Für den Bäcker ist das ein Tausch: Er bekommt Geld, das er nie zurückzahlen muss, und teilt dafür seine Firma, ihren Gewinn und das Mitbestimmen.
Was du von deinen Aktien hast
Mit 10 Aktien gehört dir ein Tausendstel der Bäckerei. Das bringt dir zwei Dinge. Erstens kann die Bäckerei einen Teil ihres Gewinns an ihre Aktionäre auszahlen, die Dividende. Bei 40 Cent pro Aktie bekommst du für deine 10 Aktien 4 Euro. Ob es eine Dividende gibt und wie hoch sie ist, beschließt jedes Jahr neu die Hauptversammlung. Ein fester Zins ist sie nicht.
Zweitens darfst du auf der Hauptversammlung mitbestimmen, in der Regel mit einer Stimme je Aktie. Mit 10 Aktien lenkst du die Bäckerei nicht. Aber dir gehört wirklich ein Stück davon. Bei Futures und CFDs, die später im Kurs kommen, ist das anders.
Wer in einer AG entscheidet
Das Geld gehört jetzt der Firma, nicht dem Bäcker persönlich. Der Vorstand führt die Firma und muss dabei sorgfältig sein. Verletzt er seine Pflichten, muss er für den Schaden geradestehen. Der Aufsichtsrat überwacht den Vorstand, und die Aktionäre wählen auf der Hauptversammlung ihre Vertreter im Aufsichtsrat.
Wer Aktien öffentlich anbietet, muss in der Regel vorher aufschreiben, was er mit dem Geld vorhat und welche Risiken es gibt. Das steht meist in einem Prospekt. Die Finanzaufsicht BaFin prüft, ob darin alles vollständig und verständlich ist. Ob die Idee gut ist, prüft sie nicht.
Bei den meisten Abstimmungen entscheidet die Mehrheit. Für große Änderungen braucht es drei Viertel der Stimmen, zum Beispiel wenn die Firma neue Aktien ausgeben will. Dann darfst du zuerst neue Aktien passend zu deinem Anteil kaufen, damit er nicht einfach kleiner wird. Das heißt Bezugsrecht.
Bei Firmen an der Börse gilt außerdem: Wer 30 Prozent der Stimmen erreicht, muss allen anderen Aktionären anbieten, ihre Aktien zu kaufen. Verkaufen musst du nicht. Erst wenn einem einzigen Aktionär 95 Prozent gehören, darf er die übrigen herauskaufen, gegen eine angemessene Abfindung in Geld. Mit einer Aktie hast du Rechte. Aber du bist nicht der Chef.
Wie Aktien an die Börse kommen
Die Idee ist über 400 Jahre alt. 1602 wurde in den Niederlanden eine Handelsgesellschaft für Schiffsreisen nach Asien gegründet. Viele Menschen legten ihr Geld zusammen und bekamen dafür Anteile, die sie an andere weiterverkaufen konnten. Das gilt als Anfang der Aktie, wie wir sie heute kennen.
Beim ersten Mal, dem Börsengang, legen die Firma und ihre Banken eine Preisspanne fest. Anleger sagen, wie viele Aktien sie zu welchem Preis kaufen würden. Liegt der Ausgabepreis bei 20 Euro, bekommt die Bäckerei für 10.000 neue Aktien 200.000 Euro, abzüglich der Kosten für den Börsengang.
Danach handeln die Aktionäre untereinander. Kaufst du an der Börse, kaufst du von einem anderen Aktionär. Neues Geld bekommt die Firma nur, wenn sie neue Aktien ausgibt. Zum Kaufen brauchst du ein Depot, eine Art Konto für Aktien und andere Wertpapiere, bei einer Bank oder einem Broker.
Briefkurs, Geldkurs und Spread
An der Börse sagen die Verkäufer, zu welchem Preis sie ihre Aktien abgeben. Der günstigste dieser Preise heißt Briefkurs. Die Käufer sagen, wie viel Geld sie bieten. Das höchste Gebot heißt Geldkurs. Wer sofort kaufen will, zahlt den Briefkurs. Wer sofort verkaufen will, bekommt den Geldkurs. Den Abstand dazwischen nennt man Spread.
Wollen plötzlich alle verkaufen, müssen die Verkäufer mit dem Preis heruntergehen, bis sich Käufer finden. Der Kurs fällt, manchmal sehr schnell. Springt er zu weit, pausiert der normale Handel für mindestens zwei Minuten, danach gibt es einen gemeinsamen Preis. Wer in so einem Moment verkauft, bekommt oft deutlich weniger.
Was am Ende übrig bleibt
Du kaufst 10 Aktien zum Briefkurs von 20 Euro, also für 200 Euro, dazu 1 Euro Gebühr. Würdest du sofort wieder verkaufen, bekämst du den Geldkurs von 19,90 Euro, also 199 Euro, minus 1 Euro Gebühr. 201 Euro bezahlt, 198 Euro bekommen: 3 Euro weniger, obwohl sich der Kurs nicht bewegt hat. Die Kosten sind dir sicher, der Gewinn ist es nicht.
Steigt die Aktie auf 23 Euro, zeigt dein Depot 30 Euro im Plus. Das ist ein Buchgewinn. Er steht auf dem Bildschirm, nicht auf deinem Konto. Fällt der Kurs danach auf 21 Euro, werden aus 30 Euro Plus 10 Euro. Fest ist dein Ergebnis erst, wenn du verkaufst. Dann ist der Gewinn realisiert. Das gilt auch andersherum: Ein Minus ist echt, auch wenn du noch nicht verkauft hast.
Verkaufst du bei 22 Euro, rechnest du Kursbewegung mal Menge: 2 Euro mal 10 Stück sind 20 Euro. Davon gehen 1 Euro Gebühr beim Kauf und 1 Euro beim Verkauf ab. 201 Euro bezahlt, 219 Euro bekommen: 18 Euro Gewinn. Verkaufst du bei 18 Euro, sind es 20 Euro Verlust, mit Gebühren 22 Euro. Kosten machen einen Gewinn kleiner und einen Verlust größer.
Auf Gewinne und Dividenden können Steuern anfallen. Was das für dich bedeutet, klärst du mit einer Steuerberatung.
Pleite, Short und ein häufiger Irrtum
Geht die Firma pleite, kann deine Aktie wertlos werden. Mehr als deinen Einsatz verlierst du mit einer gekauften Aktie aber nicht. Nachzahlen musst du nichts.
Im normalen Depot verkaufst du nur Aktien, die du besitzt. Auf fallende Kurse setzen geht dort in der Regel nicht. Dafür gibt es andere Produkte, zum Beispiel CFDs, mit eigenen Regeln und Risiken. Auch dazu gibt es eigene Folgen.
Und eine Aktie für 2 Euro ist nicht billiger als eine für 200 Euro. Es zählt, wie viel du einsetzt und wie stark sich der Kurs bewegt.
Aktien im Trading-Journal
In FlowTrader AI stellst du in den Einstellungen den Trading-Modus auf Aktien. Beim Eintragen gibst du die Aktie, die Anzahl Stück und den Kaufkurs ein. Hältst du die Aktie noch, bleibt dein Ergebnis offen, und auf deinem Dashboard siehst du unter „Noch offen“, was du noch abschließen musst. Hast du verkauft, trägst du den Verkaufskurs und deine Gebühren ein. So siehst du, was wirklich übrig bleibt.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Briefkurs und Geldkurs?
Der Briefkurs ist der günstigste Preis, zu dem jemand verkauft. Zu ihm kaufst du sofort. Der Geldkurs ist das höchste Gebot eines Käufers. Zu ihm verkaufst du sofort. Der Abstand dazwischen heißt Spread.
Was ist eine Dividende?
Ein Teil des Gewinns, den eine AG an ihre Aktionäre auszahlen kann. Ob es eine gibt und wie hoch sie ist, beschließt jedes Jahr die Hauptversammlung. Ein fester Zins ist sie nicht.
Kann ich mit Aktien mehr verlieren, als ich eingesetzt habe?
Mit einer gekauften Aktie nicht. Geht die Firma pleite, kann die Aktie wertlos werden. Nachzahlen musst du aber nichts.
Wann ist ein Gewinn mit Aktien wirklich verdient?
Erst wenn du verkaufst. Bis dahin ist es ein Buchgewinn, der wieder schrumpfen kann. Und gezählt wird nach Abzug der Gebühren.